Kalmücken, Nachkommen der Mongolen


Kalmücken, Nachkommen der Mongolen
MDZ-Moskau
Moskauer Deutsche Zeitung

Als Untertanen des Mongolenreiches nahmen sie an den Kriesgzügen Dschingis Khans teil. Nach ständigen Kriegen und Scharmützeln bat ein Teil des kalmückischen Adels 1608 den russischen Zaren Wassilij Schujskij um die Aufnahme unter seiner Oberherrschaft. Ihre Eingliederung in den Bestand Russlands zog sich jedoch über ein halbes Jahrhundert hin und kam erst 1657 zum Abschluss, nachdem die Kalmücken dem Zaren den Dienst in der russischen Armee zugesagt hatten. In den Steppen an der unteren Wolga entstand ein Kalmücken-Khanat, das bis 1771 existierte.


Kalmücken

Nach Beendigung des Bürgerkrieges wurde 1920 am Unterlauf der Wolga ein Kalmückisches Autonomes Gebiet eingerichtet, das 1935 den Status einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik erhielt. Aber schon 1943 wurden die Kalmücken auf Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets unter Kalinin allesamt des Heimatsverrats (angebliche Kollaboration mit den Deutschen) beschuldigt und in die östlichen Regionen der UdSSR deportiert. Ihre Autonome Republik wurde aufgelöst. Erst zu Beginn des „Tauwetters“ nach Stalins Tod wurde unter Chruschtschow die Kalmückische Autonomie 1957 wiederhergestellt – zunächst als Autonomes Gebiet, ein Jahr später dann erneut als Autonome Republik.

Der Ausdruck „Kalmücke“ (von „chalmg“, der Rest) ist vermutlich turksprachiger Abstammung und wurde ursprünglich auf all diejenigen angewandt, die den Islam ablehnten. Die Kalmücken selbst übernahmen es als Selbstbezeichnung endgültig erst im 18. Jahrhundert.

In kultureller und sozialer Hinsicht haben die Kalmücken vieles von den mongolischsprachigen Nomadenvölkern Zentralasiens übernommen. Ihre Hauptbeschäftigung war nomadisierende Rinder- und Pferdehaltung. Darum mussten kalmückische Familien ständig und häufig bestimmte Routen bewandern. Erst als Mitte des 19. Jahrhunderts immer weniger Territorien für die nomadisierende Viehhaltung zur Verfügung standen, gingen die Kalmücken zur sesshaften Lebensweise und zum Ackerbau über. Nach der Revolution von 1917 setzte eine Kampagne zur durchgehenden Sesshaftmachung der Kalmücken ein, die jedoch Anfang der 40er Jahre endete.


Das Leben der Nomaden in Kalmückien

Das Nomadenleben prägte die materielle Kultur der Kalmücken. Ihre traditionellen Siedlungen – die Chotone – bestanden aus mehreren im Kreis stehenden Jurten mongolischen Typs – runde Filzzelte mit kegelförmigen Dächern auf einem Holzgerüst. Die Nahrung bestand hauptsächlich aus Produkten der Viehzucht. Bekannt ist das Nationalgetränk Dschomba – Tee mit Milch, Butter, Salz und Muskatnuss. Die Russen nennen es „Kalmückentee“.

Epos Dschangar Auch die kalmückische Folklore hat sich eigenständig entwickelt. Bis heute ist das Epos „Dschangar“ aus dem 15. Jahrhundert über die Heldentaten Dschangars und seiner Kampfgefährten sehr beliebt. Unter den Festtraditionen ist eine besonders interessant: Der Gast, der bei einem Festessen den letzten Wirbel eines Hammelrückgrats bekommt, muss – entsprechend der Anzahl der Wölbungen auf dem Wirbel – 12 allegorische Geschichten erzählen.

Die meisten Kalmücken sind lamaistische Buddhisten, manche bekennen sich zum russisch-orthodoxen Glauben. Das Kalmückische gehört zur mongolischen Gruppe der Altaier Sprachfamilie. Die schriftliche Tradition reicht in das Jahr 1648 zurück, als der Aufklärer Zaja-Pandita (1599 bis 1662) seine „todo bitschig“ (klare Schrift) schuf. Gegenwärtig benutzen die Kalmücken ein auf kyrillischer Grundlage basierendes Alphabet.

Die führenden Wirschaftszweige des heutigen Kalmückiens sind die Nahrungsmittel- und die Leichtindustrie sowie der Maschinenbau. Hinzu kommt die Landwirtschaft mit Viehzucht und Ackerbau.

Seit Beginn der 90er Jahre entfaltet sich in der Republik zunehmend eine Bewegung für die Wiedergeburt der kalmückischen Kultur und Sprache. Traditionelle Volksfeste werden offiziell begangen, die Beziehungen zur buddhistischen Welt wiederhergestellt.

Redakteur: MDZ Moskauer Deutsche Zeitung
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